Ein Besuch bei Ríkisútvarpið, Reykjavík, Island
(Volker Willschrey, Dillingen/Saar, Deutschland)
Während meiner Ferien in Island im Juli 1999 nutzte ich die Gelegenheit, dem isländischen Rundfunk - Ríkisútvarpið - einen Besuch abzustatten. Schon vorher erhielt ich eine freundliche Einladung von Frau Dora Ingvadóttir, der Direktorin der Station, die mich an Herrn Haraldur Jónasson verwies.
Doch zuerst ein paar allgemeine Informationen über Island, die ich von Frau Ingvadóttir erhielt:
Island, die zweitgrößte europäische Insel hat eine Oberfläche von 103.000 km² und wird im nördlichsten Punkt, der Insel Grímsey vom Polarkreis berührt. Die Landschaft hat einen Gebirgscharakter und zeichnet sich durch ihr rauhes und unbewohntes inneres Hochland aus mit tiefen Fjorden an der Nord- und Ostküste und Ebenen und Sandbänken an der südlichen Küste. Aufgrund der nördlichen Lage, ist von Mitte April bis Mitte August fast durchgehend Tageslicht. Etwa 11 Prozent von Islands Oberfläche ist von Gletschern bedeckt, dominiert von dem Vatnajökull, der die größte Gletscherkappe Europas besitzt. Geboren aus der See durch vulkanische Kräfte, vor etwa 18-20 Millionen Jahren, ist Island das jüngste Land der Welt. Die vulkanischen Kräfte sind immer noch sehr aktiv mit einem Vulkanausbruch innerhalb von fünf Jahren irgendwo im Land in der Vergangenheit.
In vielen Teilen des Landes gibt es geothermische Aktivitäten, die nutzbar gemacht werden um heißes Wasser für Heizung, Schwimmbäder und industrielle Anwendungen zu liefern. Wichtigste Kraftquelle sind Wasserkraftwerke, die die Wasserfälle nutzen. Beide Resourcen sind erneuerbar und frei von Umweltverschmutzung und werden nur zu einem Teil ihres Potentials ausgenutzt.
Island war unbewohnt bis 874 n.Chr., als er norwegische Wikinger Ingólfur Arnarson sich dort niedergelassen hat, wo heute Reykjavík liegt. Von da an bis zum Ende des 10. Jahrhunderts wurde das Land vom Südwesten Norwegens und den Wikinger Kolonien der britischen Inseln aus besiedelt. Die Geschehnisse der Besiedlung wurden in den Sagas erzählt, in einer Sprache, die sich nur wenig bis auf den heutigen Tag geändert hat. Die Siedler gründeten eine Republik im Jahre 930 n.Chr., mit einem Parlament, das als "Althing" bekannt war. Dies ist immer noch aktiv und die älteste überlebende Nationalversammlung der Welt. Städte und Dörfer begannen sich in Island erst um die Wende dieses Jahrhunderts zu entwickeln, als die traditionelle Agrargesellschaft sich in eine städtisch gebundene Gesellschaft des kommerziellen Fischfangs änderte. Die Fischereiwirtschaft ergibt nun 80% der isländischen Exporteinkünfte. Die Gesamteinwohnerzahl Islands beträgt 265.000, von denen 100.000 in der Hauptstadt Reykjavík leben. Island wurde im Jahre 1944 Republik. Der gegenwärtige Präsident ist Ólafur Ragnar Grímson.
Nun zum Rundfunk:
Ríkisútvarpið befindet sich in einem sehr modernen Gebäude in der Efstaleiti 1 in Reykjavík, das 1983 bezogen wurde. Dort werden gegenwärtig nur die Rundfunksendungen produziert, jedoch ist geplant, zukünftig auch die Abteilungen, die für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zuständig sind, dort unterzubringen. Man beschäftigt ca 200 festangestellte und zusätzlich auch freie Mitarbeiter.
Zur Geschichte: - der Isländische Nationale Rundfunkdienst, RUV, wurde im Jahr 1930 gegründet, nachdem das Gesetz verabschiedet wurde, welches den Monopolstatus für Rundfunk in Island begründete. Der isländische Rundfunk arbeitet auf zwei Kanälen: "Kanal Eins" sendet heute ungefähr 18 Stunden täglich mit einem gemischten Angebot an Nachrichten, Informationen, kulturellen Programmen und klassischer Musik. Die Sendungen beginnen am frühen Morgen und enden nach Mitternacht. "Kanal Zwei" bringt einen vierstündigen Dienst von Nachrichten und Zeitgeschehen mit leichter Musik. Etwas mehr als die Hälfte der 275.000 Isländer leben in kleinen Küstenstädten oder Farmgebieten, wovon viele durch hohe Berge abgetrennt sind. Daher ist es erforderlich, eine große Anzahl von Radio und Fernseh-Umsetzer sowie Relaisstationen einzusetzen, welche eine Versorgung von 99% der gesamten Bevölkerung sicherstellen.
Das Rundfunkgesetz von 1985 hob das Monopol von RUV auf. Lizenzen für privates Radio und Fernsehen können nun bewilligt werden und das Gesetz verlangt von RUV, zwei Radiokanäle und einen Fernsehkanal bereitzustellen.
Ein Fernsehprogramm gibt es seit 1966. Das isländische Rundfunksystem besteht aus 10 Hauptsendern und 160 Relais-Stationen. Das gesamte Netzwerk sowohl für Radio als auch Fernsehen gehört und wird finanziert von RUV und wird betrieben von der Post- und Telegrafenbehörde. Fernsehen wird nun jährlich für ungefähr 2700 Stunden gesendet, was einem täglichen Durchschnitt von etwas mehr als 7 Stunden entspricht. An Wochentagen beginnen die täglichen Programme am späten Nachmittag und beinhalten eine 30-Minuten Nachrichtensendung um 20.00h. Die Programme enden immer kurz vor Mitternacht nach einer Zusammenfassung der Spätnachrichten. An den Wochenenden wird ein etwas längeres Fernsehprogramm angeboten, welches jedoch noch kein ausgiebiges und abwechslungsreiches Programm an Inlandsproduktionen in größerem Maße anbieten kann.
Als Konsequenz davon werden nur ungefähr 35% der gezeigten Programme in Island produziert. Ausländische Programme sind entweder synchronisiert oder untertitelt, meistens das letztere. Die erste direkte Satellitenverbindung mit der Außenwelt wurde 1981 errichtet. Als ein Mitglied der Europäischen Rundfunk Union, nimmt RUV nun am täglichen Programmaustausch von Nachrichten und Rundfunk des European Network via Satellit teil. RUV gehört auch der Nordvision an, einer Union von öffentlichen Fernsehgesellschaften, welche den Programmaustausch unterstützt.
Die Hauptverwaltung und -studios von RUV Rundfunk und Fernsehen befinden sich in Reykjavík. RUV besitzt auch regionale Radiostationen, die ein spezielles Programm für die Nachbargemeinden anbieten, aber auch am nationalen Kanal teilnehmen. Diese regionale Stationen befinden sich in Akureyri, der wichtigsten Stadt im Norden von Island, in Egilstaðir im Osten und Ísaförður im Westen Islands.
Nachdem mich Herr Haraldur Jónasson durch die Studios von Ríkisútvarpið geführt hatte, gesellte sich auch Herr Kristján Benediktsson, Chefingenieur der RUV zu uns. Herr Benediktsson ist auch Kurzwellenhörer und Radioamateur und war so der ideale Ansprechpartner, über die Zukunft der Kurzwellen sendungen von Ríkisútvarpið zu sprechen.
Gegenwärtig werden die Kurzwellensendungen der RUV (Frequenzen und Sendezeiten siehe unten stehende Informationen) ausschließlich in isländischer Sprache produziert. Sie sind für die isländischen Seeleute in aller Welt bestimmt, die über die Geschehnisse in Island informiert werden sollen. Die Sendungen werden über Antennen der isländischen Post an der Küste Islands ausgestrahlt.
Es ist daran gedacht, diese Sendungen erheblich zu reduzieren und dafür mehr Gewicht auf Sendungen via Internet zu legen. Ich habe Herrn Benediktsson zu bedenken gegeben, daß ein solches Vorhaben erhebliche Konsequenzen haben wird, da nur wenige Kurzwellenhörer einen Internet-Zugang haben und das Hören auf dem Internet zum einen recht teuer ist (Provider- und Telefongebühren) und zum anderen auch der Reiz, eine Station via Äther zu hören, entfällt. Außerdem habe ich den vorsichtigen Vorschlag gemacht, ob es nicht möglich wäre, eine Sendung in englischer Sprache während dieses Kurzwellenprogramms auszusenden, wenigstens mit den wichtigsten Informationen über Island. Das wäre auch relativ billig, denn eine englischsprachige Sendung wird ohnehin schon für Touristen via FM ausgestrahlt.
Wie man mir mitteilte, sollte der Wunsch nach einer solchen Sendung von den Hörern kommen, damit die Leitung von RUV auch die Bedeutung dieser Sendungen erkennen kann. Es wäre also wirklich empfehlenswert, das Management von RUV anzuschreiben und um zwei Dinge zu bitten:
das Programm auf Kurzwelle nicht einzuschränken
ein englischsprachiges Informationsprogramm in die Kurzwellensendung zu integrieren - eventuell Übernahme des englischen Informationsprogramms, das gegenwärtig sowieso schon via Kurzwelle gesendet wird.
Für alle, die an diesem Vorhaben Interesse haben, wurde empfohlen, einen entsprechenden Brief an folgende beiden Mitglieder der Geschäftsleitung zu richten:
Herrn Markus Örn Antonsson, Director General of RUV (Generaldirektor von RUV)
Frau Dora Ingvadóttir, Director of Radio (E-Mail Anschluß: [email protected])
Ich hoffe, daß viele DX-Freunde dieser Aufgabe nachkommen werden! Man kann sich bei dem Schreiben gerne auf meinen Besuch bei Ríkisútvarpið am 13. Juli 1999 und meine Gespräche mit den Herren Haraldur Jónasson und Kristján Benediktsson beziehen.
Frequenzen und Sendezeiten:
Rikisutvarpið auf Kurzwelle:
Nachrichtensendungen von Ríkisútvarpið auf Kurzwelle nach Europa ab Dezember 1998 sind von 12.15h bis 13.00h UTC auf 13.865 und 15.775 kHz und von 18.55h bis 19.30h UTC auf 5055, 7.735 und 9.275 kHz.
Kurzwellensendungen nach Amerika zwischen 14.10h und 14.40h UTC auf 11.402 und 13.860 kHz, zwischen 19.35h und 20.10h UTC auf 11.402 und 13.860 kHz and schließlich zwischen 23.00h und 23.35h UTC auf 9.275 und 11.402 kHz.
Langwelle-Sendungen auf 189 kHz und 207 kHz: 24 Stunden täglich während des ganzen Jahres.
FM-Frequenzen:
Kanal 1: 93.5 MHz / Kanal 2: 90.1 MHz
Die Rundfunksendungen sind ausschließlich in Isländisch!
Sie können auch auf Internet Nachrichten in Isländisch hören: http//this.is.ruv/
Home Page von RUV: http:/WWW.ruv.is / Real Audio Radio Program 2 auf: http:/WWW.ruv.is/utvarp/ras2.htm
E-Mail: [email protected]
Adresse: RUV - Ríkisútvarpið, Efstaleiti 1, 150 Reykjavík
Volker Willschrey, Dillingen (Saar)
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